Letzte Tage auf den Lofoten, in Love with Lyngen und Ladies first

Die Chance, sich den Traum vom Skifahren am Meer zu erfüllen, liegt näher als man denkt. Dazu muss man nicht unbedingt auf Hawaiis Mauna Kea klettern, sich auf nordamerikanischen Eisriesen mit Aussicht auf den Golf von Alaska halbtot frieren oder grönländische Inuit nach den besten Runs in ihren Küstenbergen fragen. Ein Billigflieger-Ticket nach Norwegen ist die beste Eintrittskarte für mehr Meer als man es sich beim Freeriden je hätte vorstellen können.

Skiing in Norway rules! Dort heißt der King nicht nur Kong, sondern das Königreich von Staatsoberhaupt Harald dem Fünften dehnt sich vom Skagerrak über das Nordmeer bis hoch in die Barentsee auf einer Länge von fast 3.000 Kilometern aus.

Südsee-Beach oder Polarkreis-Strand?

Würde man die komplette Küstenlinie mit all den tief eingeschnittenen Fjorden, Buchten und 150.000 vorgelagerten Inseln auseinanderziehen und zusammenaddieren, käme man auf unfassbare 83.000 Kilometer. Noch dazu besteht das Land im hohen Norden besonders an den westlichen und nördlichen Küstenstreifen komplett aus Gebirgszügen. 26 Gipfel des Landes liegen über 2.300 Meter.

Schnee, Berge und Meer - was will man mehr?

Ein ganz besonderer Blick auf einige der Bergketten, die direkt aus dem Ozean wachsen, eröffnet sich vom Deck eines Schiffes – beispielsweise bei einer Minikreuzfahrt mit den Stahlriesen der Hurtigruten, die nicht nur Post- und Transportzwecken dienen, sondern zugleich auch Touristenattraktionen sind.

Freeride mit Fjord-Blick. Wer braucht schon Lifte?

Unmissverständlich klar ist natürlich, dass uns Freerider hier in Nordnorwegen eine andere Perspektive interessiert als die des Ausflugstouristen. Unsere Blickrichtung wandert bevorzugt von der Spitze eines hohen, verschneiten Berggipfels direkt auf’s Nordmeer.

Surf on Akki!

Staubt dann bei der anschließenden Abfahrt noch der Powder unter den Planken und die Aneinanderreihung von Turns scheint irgendwann unwiederbringlich im Salzwasser zu enden, dann sind das maritime Skiabenteuer, die man sich mit etwas Anstrengung, Ski-Touring-Equipment und einem gewissen Blick für Aufstiege und Abfahrten kaum sonst wo in der Welt erfüllen kann.

Kilian - nachtaktiv beim Filmen

Auf den Lofoten, die 100 bis 300 Kilometer nördlich des Polarkreises liegen, gibt es die totale Rundumsicht aufs Meer. Die Vorzüge dieser Inselgruppe und ihrer sieben Haupt-Archipele haben wir ja in unseren vorherigen Berichten schon überschwänglich gepriesen. Alpenähnliche Berg-Kulissen, unzählige steile Gipfel bis 1.000 Meter Höhe,

Skiabfahrt bis zum Sandstrand

Sandstrände, Felsküsten, malerische Fischerdörfer, spektakuläre Fjorde und Farbschattierungen des Meeres, die von smaragdgrün bis eisblau reichen. Nicht ohne Grund hat die Zeitschrift „National Geographic Traveller“ die Lofoten zu einer der drei schönsten Insel-Ketten der Welt ernannt.

 

Wo hier das Meer endet und der Horizont beginnt, ist oft schwer feststellbar

Voll stoned - hier auf den Lofoten

Die erste Woche unserer Norwegen-Reise auf diesen Trauminseln in der arktischen See gleitet an uns vorbei wie die Blauwale draußen vor den Vesteralen. Wir erkunden und erklimmen etliche der tief verschneiten Gipfel, stoppen an jeder Ecke, um uns von der extrem kontrastreichen Landschaft faszinieren zu lassen und können kaum glauben, dass Norwegens Norden noch weitere Highlights für uns parat hat, die mit den Eindrücken hier auf den Lofoten konkurrieren können.

Schönes Auto vor schöner Kulisse

Aber es ist Zeit für einen Ortswechsel. Um 03.00 Uhr nachts starten wir von Svolvaer Richtung Tromsö. Kilian hat berufliche Verpflichtungen und muss – wie zuvor geplant – den Flieger um 10.00 Uhr zurück in die Heimat nehmen. Um 03.55 Uhr geht die Sonne bereits sanft hinterm Horizont auf. Die Müdigkeit ist wie hinweggefegt und wir schlängeln uns mit unserem Volkswagen Passat fast 500 Kilometer über einsame Landstraßen durch weiße Berg- und Fjord-Landschaften.

Wir sehen noch die Kondensstreifen der Boeing von Norwegian Airlines, in der Kilian sicherlich gerade vor sich hindöst, am Horizont verdunsten und stehen selbst schon wieder am Ufer eines tiefblauen Fjords auf einer der Schäreninseln, die Tromsö umgeben. Zu diesem Eiland namens Ringvassoya, muss man ab dem Airport nur über eine Brücke, die eine Meereszunge überspannt, danach durch einen unterseeischen Tunnel und taucht dann wieder vor einer Parade interessanter Berge auf. Jene sind hier in Nordnorwegen einfach überall und umgeben auch Tromsö wie ein gewaltiger Spielplatz für Freerider. Nach der fast durchwachten Nacht entscheiden wir uns für eine Genusstour auf den 674 Meter hohen Kraktinden. Strahlendblauer Himmel und tiefdunkler Ozean – wir nutzen die Zeit für viele Foto- und Filmshots und merken dabei gar nicht, dass der Zeiger der Uhr schon wieder etliche Umdrehungen hinter sich hat. Das goldene Licht suggeriert Nachmittag, dabei ist es schon früh am Abend.

Die 80 mal 20 km große Halbinsel der Lyngenalps gehört zu den beeindruckensten Gebirgszügen Skandinviens

Blick von der Fähre auf die Alps des Nordens

Um 21 Uhr geht die letzte Fähre zu unserem neuen Reiseziel: der imposanten Lyngen-Halbinsel. Von unserem heutigen Gipfel konnten wir den in etwa 40 Kilometer Entfernung aufragenden Gebirgszug der Lyngenalps schon erkennen. Warum diese Berge in der norwegischen Sprache den Zusatz „Alps“ erhalten haben, wird sofort klar, nachdem wir in der eisigen Abendluft auf der Autofähre von Breivikeidet nach Svensby die ersten direkten Blicke auf die Lyngen-Kette werfen können.

Abflug Richtung Lyngenalps

„Es ist so, als hätte man die besten Teile der Alpen abgeschnitten – nämlich die steilen und schroffen Flanken oberhalb von 2.000 Meter – um sie hier, 400 Kilometer oberhalb vom Polarkreis, in den Ozean zu setzen“, erklärt uns unser Vermieter Patrik Jonsson, und fügt gleich noch ein bisschen mehr Alps-Kunde hinzu: „Hier auf der 20 mal 80 Kilometer großen Lyngen-Insel gibt es 127 Gipfel mit einer Höhe von über 1.000 Meter. Viele davon ragen sogar bis zu 1.500 Meter auf, der Höchste ist der Jiekkevárri mit stattlichen 1.833 Metern.“

Die Magic Mountain Lodge in Lyngseidet

Der Schwede Patrik und seine finnische Freundin Henrika sind seit über zehn Jahren voll „in love with Lyngen“. Sie betreiben die Magic Mountain Lodge in Lyngseidet – das „place to be“ für Freerider und Tourengeher hier im wohl gewaltigsten Gebirge Skandinaviens. Die Beiden haben lange in den Alpen gelebt, waren zwei Jahre mit dem Fahrrad bis Beijing unterwegs und haben die Lyngen-Alps 1999 zum ersten Mal besucht. Es hat ihnen so gut gefallen, dass sie keinen Moment zögerten, als sie 2010 die Chance erhielten, ein schönes Haus mit Blick auf den Lyngenfjord zu erwerben und daraus die perfekte Homebase für sich und Ski-Verrückte aus aller Welt zu machen.

Mein Auto, mein Haus, mein Fjord ...

Die meisten Gipfel hat Patrick schon selbst erkundet. Zum Beispiel den südlichen Teil der Halbinsel – mit Tourenski, Zelt und Schlafsack in drei Tagen. „Das ist in etwa so wie die Haute Route in den Alpen, aber mit mehr Anstiegen und Abfahrten, und natürlich total einsam“, erzählt er. „Jetzt reizt mich noch die Durchquerung des nördlichen Teils. Die Schneebedingungen sind zur Zeit ideal, aber die Arbeit hier in der Magic Mountain Lodge lässt mir im Moment keine Zeit für Bergabenteuer“, sagt Patrik ziemlich wehmütig.

Spieglein, Spieglein an der Wand - zeig mir den schönsten Fjord im ganzen Land

Die Zeit, die ihm fehlt, haben wir. Wir schlafen wie die Murmeltiere und nehmen uns am nächsten Tag erstmal einen der Hausberge vor. Oben angekommen zeigt der Höhenmesser erstaunliche 1.300 Meter. Dafür gibt’s als Belohnung Osthang-Powder auf der Gipfelflanke. Überflüssig zu erwähnen: Unverspurt natürlich. Aber wer sollte einem hier auch die Lines streitig machen, bei gerade mal ein paar Dutzend Freeridern und Tourengehern, die sich zeitgleich mit uns in den Hunderten von Gipfeln, Graten und Hängen der Lyngen-Insel verlieren? Heli-Skiing ist – wie im restlichen Norwegen auch – verboten, also muss man kein Geknatter, Kerosin-Gestank und Tiefschnee-Crews mit dicken Portemonnaies befürchten, die ohne Schweiß den Powder-Preis einheimsen und uns Skitouring-Protagonisten die Hänge mit Zöpfchen zerhacken.

Schnell fallen auch wir in love with Lyngen. Hier ist alles relaxed. Konkurrenz gibt’s nicht. Außer jener Hand voll Freeridern, die sich für dieselben fetten Hänge interessieren wie wir.

Eines von unzähligen spektakulären Couloirs in den Lyngen-Alps - dazwischen ein Fjord ...

Auf der abendlichen Anreise zur Lyngen-Lodge stach uns blitzartig ein riesiges Couloir ins Auge, das wir direkt am nächsten Nachmittag noch mal genauer unter die Lupe nehmen. Es liegt im Dauerschatten, also voll nach Norden ausgerichtet, zwischen den beiden Gipfeln des etwa 1.500 Meter hohen Rodberg- und Forholttinden. Steil und lang sind sowohl die Abfahrt als auch ein möglicher Aufstiegsweg. Jener lässt sich durch die abgeschiedene Lage nur direkt auf der Route bewältigen, die man auch abfahren will. Ist ja nicht das Schlechteste, so kann man die Schneebeschaffenheit checken und weiß beim Aufstieg gleich wo kritische Stellen lauern.
Aber so toll das Couloir auch ist und so sehr wir uns die mögliche Befahrung schon ausmalen, das Ding hat einen gewaltigen Haken: Zwischen uns und ihm liegt ein breiter Fjord. Schwimmflügel und ein Aufblas-Gummiboot aus dem Insel-Baumarkt helfen da nicht weiter, wir brauchen ein richtiges Boot mit fetter Motorisierung. Woher nehmen? Schließlich ist die Gegend hier auf unserer Fjord-Seite genau so abgeschieden wie die Bergflanke gegenüber, in der das Couloir-Ziel unserer Träume liegt.

Einsames Haus am Fjord - gibt's hier nen Boot für uns?

Doch Moment mal, dort unten am Fjord steht doch tatsächlich ein einsames weißes Häuschen in typisch norwegischer Holzbauweise! Das gemütliche Heim von Familie Rognli, die hier seit Generationen Lämmer züchtet. Wir klingeln an, und haben Glück. Vater Alf Rognli ist nicht nur Fleischesser, er sorgt auch dafür, dass ab und an Fisch auf dem Speiseplan steht. Und genau deshalb hat er ein Boot in der Garage. Wir packen die Gelegenheit beim Schopf und verabreden uns direkt für den nächsten Tag zur Überfahrt. Als guter Christ muss unser Fährmann morgen um 11.00 Uhr noch in die Kirche, aber um 13.00 Uhr wird er den Außenborder anschmeißen, um uns und unser Ski-Equipment übers Wasser zu bringen. Cool. Couloir – wir kommen!

So sieht das Couloir aus der Abfahrts-Perspektive aus ... von oben

Die zweimalige Freeride-Worldtour-Gewinnerin Ane Enderud hat dieselben Couloir-Pläne wie wir ...

Zurück in der Magic Mountain Lodge freuen wir uns bei Heilbutt-Steak und Heineken über unsere gelungene Projekt-Planung. Dass mir der Fisch im Hals stecken bleibt, liegt aber nicht an einer Gräte, sondern an den Wortfetzen „Filmteam“ und „big Couloir“, die ich aus dem Hintergrund aufschnappe. „Now we have a problem!“, sagt Lodge-Besitzer Patrik als Akki ihm unsere topografische Karte zeigt, auf der

... also bilden wir ein Vierer-Team und gehen den Aufstieg gemeinsam an. Für die Abfahrt gilt: Ladies first!

wir die Aufstiegsroute zu „unserem“ Couloir bereits eingezeichnet haben. Apropos „Freeride-Konkurrenz-gibt’s-hier-nicht“: Keine Geringeren als die zweifache Freeride-Worldtour-Gewinnerin Ane Enderud, der amerikanische Filmemacher und TGR-Kameramann Matt „Moo“ Herriger sowie der Chaoz-Production-CEO Eivind Aurstad sitzen am Nachbartisch und haben sich für morgen das gleich Ziel ausgesucht wie wir: „The big Lyngen-Couloir.“

Alle in einem Boot. V.l.n.r.: Matt Herriger (Filmemacher und TGR-Urgestein), Akki Bruchhausen (Kölner) und Ane Enderud (norwegische Freeride-Weltmeisterin)

Ab ins Boot und übern Fjord

Die Geschichte ist schnell zu Ende erzählt. Wir trinken gemeinsam einige Lodge-Biere, Matty lacht sich tot über unsere Nicknames „Akki und Digger“, die er mit amerikanischem Akzent einfach ultracool und in der untersten Oktave immer wieder vor sich hin brummt, und letztlich beschließen wir, ein Vierer-Team zu bilden, das gemeinsam den steilen und fast fünf Stunden dauernden Aufstieg bewältigt. Natürlich gilt “Ladies first” und wir erklären uns selbstverständlich einverstanden, der Freeride-Weltmeisterin den Vortritt bei der Abfahrt zu lassen, damit der auf der anderen Fjord-Seite positionierte Filmer Eivind Aurstad den spektakulären Run durch seine Monster-Teleobjektive einfangen kann.

Das Team am Gipfel. Viereinhalb Stunden hat der Aufstieg gedauert. Belohnung folgt ...

Fast oben!

Trotz allen Spektakels spielt die eigentliche Hauptrolle am nächsten Tag aber Schaffarmer Rognli. Nachdem Ane Enderud und ihr Team am frühen Morgen eine krankheitsbedingte Absage von ihrem Kajakvermieter hinnehmen müssen, mit dessen Booten sie eigentlich über den Fjord paddeln wollen, stehen sie letztlich gemeinsam mit uns vor der

Besten Dank an Fährmann Rognli!

Haustür von Vater Rognli. Der ist einigermaßen erstaunt als er nicht nur uns deutsche Exoten, sondern auch die norwegische Freeride- sowie die US-Film-Prominenz vor sich sieht. Ane erklärt mit viel Charme das Zustandekommen unserer Multi-Kulti-Ski-Truppe und letztlich sitzen wir eine Viertelstunde später alle im selben Boot.
Genau das ist Freeride. That’s the sense of the game.

Thanks Norway!

Ach ja, der folgende Couloir-Aufstieg im knietiefen Schnee ist mühsam, aber die Abfahrt wahrlich fett. Zum Glück holt Vater Rognli uns erschöpfte Rider rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit wieder mit seiner Knatterkiste ab und verschifft uns über’n Fjord zurück in die Zivilisation. Beim gemeinsamen Feierabend-Bier lassen wir den Tag revue passieren und können nur wiederholen: Wir sind in love – with Lyngen!

Tja Leute, das war’s mit unserem norwegischen Ski-Abenteuer. Es beweist mal wieder, dass die besten Ereignisse im Leben sich nicht planen lassen, man muss einfach in den Strom eintauchen und sich treiben lassen. Macht es euch auch zur Maxime! Leben ist Abenteuer. Es endet nie. Und ihr seid nur einmal auf diesem Planeten, der eine unglaubliche Zufallslaune des Universums ist. Enjoy life!

Thanks FALKE, Volkswagen, adidas, Salewa, Ortovox & K2!

Wir WhiteHearts machen jetzt erstmal Sommerpause und gehen biken, surfen, kiten, wandern, joggen, Fußballspielen und natürlich auch ein wenig arbeiten.
Tausend Dank, dass ihr uns so großartig unterstützt habt! Lasst euch überraschen, vielleicht haben wir ja auch im Sommer noch die ein oder andere Film-technische Überraschung für euch parat. Und eigentlich könnten wir ja auch mal gemeinsam ne fette Party feiern …

That’s it. Der Sommer kann kommen!

Gebt Likes if you like und bleibt uns weiterhin treu!

Eure WhiteHearts

„Ich hoffe, weiterhin fähig zu bleiben, immer wieder neue Träume zu finden.“
(Reinhold Messner)

Traumtage auf Trauminseln weit oberhalb des Polarkreises

Eigentlich sollte das Hauptthema auf einer Page wie WhiteHearts ja das Skifahren sein. Aber im Falle einer Inselkette wie den Lofoten kommt man einfach nicht umhin, immer wieder deutlich zu machen, dass einem ob all der landschaftlichen Schönheit ständig die Kinnlade runterfällt und die Pupille kollabiert.

Tief eingeschnittene Fjorde, ultramarinblaues Meer, feine Sandstrände, beeindruckende Felsküsten, kleine Fischerdörfchen – und zu allem Überfluss thronen über diesem schier unfassbaren Postkartenidyll auch noch schroffe, steile und tief verschneite Berge, die bis zu 1.000 Meter aus dem Ozean ragen.

On top mit Top-Rundblick - auf dem circa 800 Meter hohen Stornapstinden

Ein Paradies, nicht nur für Freerider, sondern für alle Reisenden, die hungrig sind auf überbordende landschaftliche Schönheit und nie zuvor gesehene Kontraste. Vergesst Ibiza, Sylt und Teneriffa, wählt euer nächstes Reiseziel zur Abwechslung mal 300 Kilometer über dem Polarkreis!

Kurz vor dem Drop-in in einen Lofoten-Powderhang

Nicht vergessen sollte man allerdings auch, dass die Reisezeit hier oben, hoch im Norden, eine große Rolle spielt. Im Dezember und Januar ist es nahezu 24 Stunden stockdunkel, im Hochsommer geht die Sonne dagegen gar nicht mehr unter und man lebt in permanenter Helligkeit. Beide Extreme sind für Mitteleuropäer vielleicht etwas zu krass, deshalb ist ein Reisezeitraum wie der unsrige im April nahezu ideal. Die Sonne geht dann etwa um 05.00 Uhr auf, der Sonnenuntergang tritt um circa 21.00 Uhr ein und die Dämmerung dauert lange. Zu allem Überfluss herrscht noch herrlichster Winter.

Eine der Inselketten der Lofoten im lang anhaltenden Abendrot

Skifahrer, die sich schon mal Anfang Januar bei einer spätnachmittäglichen Offpiste-Abfahrt im Gelände verfranzt haben, um dann hilflos im stockdüsteren Wald mit der iPhone-App-Taschenlampe wieder nach Hause zu finden, werden zu schätzen wissen, dass man in Nordnorwegen den Skitag bis in den späten Abend verlängern kann. So wie wir. Das hat allerdings weniger mit unserer Orientierungslosigkeit zu tun, sondern eher mit dem magischen Licht, das hier gegen etwa 16.30 Uhr eintritt und uns immer wieder in seinen Bann zieht. Fotografen sprechen von der „blauen Stunde“. Alle, die sich schon mal am Strand von Mallorca trotz drei Liter Sangria-Genuss im Abendlicht fotografieren ließen und auf den Digital-Fotos trotzdem zum Verlieben aussahen, wissen was gemeint ist. So ein Licht herrscht hier auf den Lofoten vier Stunden am Vormittag und vier Stunden am Nachmittag. Es ist einfach überwältigend. Die Sonne läuft extrem flach und taucht alles in intensive und trotzdem sanfte Farben. Ein Paradies für die Augen – und das nicht nur für Augenblicke, sondern fast den ganzen Tag lang.

Links auf dem Felsen steht übrigens Akki - ziemlich klein im Angesicht von Bergen und Ozean


Aber nun endlich zum Skifahren: Dass es hier auf den Lofoten-Inseln keine nennenswerten Liftanlagen gibt, muss wohl nicht extra erwähnt werden. Jeder Tag ist eine Mission für sich. Die Karte zur Hand nehmen, Gipfel studieren, Höhenlinien interpretieren und mögliche Anreisewege planen, die unserem Volkswagen Passat nicht gleich seine Bodenwanne demolieren. „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“, lautet das permanente Motto. Jede Abfahrt, in einer so unberührten Naturlandschaft wie dieser, muss man sich selbst verdienen. Und das ist auch gut so. „Earn your turn!“ ist sowieso die einzig wahre nachhaltige Variante des Skifahrens.

Unser Begleiter: Volkswagen Passat 4Motion

Also fahren wir jeden Morgen die Küstenstraße entlang, lassen die Blicke in die Bergflanken schweifen und visionieren uns mögliche Aufstiegswege und Abfahrtsrouten. Sobald wir fündig geworden sind, versuchen wir so nah wie möglich an den Fuß des erwählten Gipfels ranzukommen und parken unseren schwarzen vierrädrigen Begleiter an einem einsamen Farmhaus oder sonst

Skiing is heaven here ...

wo im Unterholz. Dann kleben wir uns die Felle unter die Ski, packen Brote, Energy-Riegel, eine Wasserflasche, Harscheisen, wärmende Ersatzkleidung, Funkgeräte sowie Film- und Fotoausrüstung in unsere Ortovox-Rucksäcke und starten den Aufstieg. Natürlich nicht ohne vorher mit Kilian abzusprechen, in welchen Hang er um welche Zeit seine Filmkamera bei der Abfahrt auf uns richten will.

Powderturns mit Sonne und Fjord-Blick - das ist Luxus!

Goldenes Abendlicht und tolle Kontraste

Kilian hat ja leider seinen im Dezember erlittenen Achillessehnenriss noch nicht soweit auskuriert, dass er in der Lage wäre, mit uns im Dreier-Team in diesem wilden Gelände Ski zu fahren. Aber auf den Lofoten gibt es für jemanden wie ihn, der Film- und Foto-fanatisch ist, keine einzige Sekunde Langweile. Er filmt Naturszenerien, richtet das Timelapse-Dauerfeuer der

Kilian - verletzt, aber trotzdem voll in Action

Spiegelreflexkameras auf Wolken an den Gipfeln, nutzt das wechselnde Licht für immer neue Impressionen und cuttet zwischendurch schon unermüdlich die ersten Sequenzen zusammen. Nebenbei ist er stets pünktlich mit einem Six-Pack Feierabend-Bier an unseren verabredeten Meeting-Points, wenn wir uns nach absolvierter Abfahrt in den hochgelegenen Hängen wieder durch Felsbrocken und Buschwerk kämpfen, um der Kälte zu entfliehen, die durchschwitzten Skiklamotten auszuziehen und schnell auf dieselbe Temperatur zu kommen wie die komfortable Sitzheizung unseres Volkswagen Passat.

Polarlichter zu sehen ist einfach ein Mysterium, das jeden in seinen Bann zieht

Life is so nice. Das einzige massive Problem, das wir hier haben, ist die Zeit. Wir vergessen sie einfach. Da das Licht um 20.00 Uhr immer noch genau so magisch ist, wie um 17.00 Uhr, sind wir total baff, wenn um 21.00 Uhr ein dämmriger Himmel so langsam signalisiert, dass irgendwann auch mal eine Art von Nacht einsetzen wird. Spät wie immer essen wir zu Abend, sichten noch Film- und Fotomaterial, sinken halbtot und total glücklich ins Bett und werden am nächsten Morgen schon wieder sehr früh von demselben goldenen Licht geweckt. Da fällt das Aufstehen längst nicht so schwer wie an einem schmuddeligen April-Tag in Good old Germay. Schließlich erwartet einen hier auf den Lofoten ein weiterer unvergesslicher Freeride- und Naturerlebnis-Tag. Wow – kann man da nur sagen. Einzigartig schön!

Auf geht's Leute! Richtung Lofoten!

Fazit: Alle, die auf der fortwährenden Suche nach den schönsten Fleckchen der Welt sind, müssen eigentlich hier hin! Und alle, die Skifahren im Gelände zu ihrer absoluten Leidenschaft zählen, sowieso. Aber – ganz ehrlich – am besten für die Lofoten wäre es, wenn man sie einfach vergessen würde. So käme niemand auf die Idee hier hinzufahren und die etwa 180 Kilometer lange Inselkette bliebe auf immer und ewig dasselbe magische Plätzchen abseits der ausgetretenen touristischen Pfade. A Secret spot for skiing addicts.

Erkenntnis: Trauminseln gibt es eben auch weit oberhalb des Polarkreises. Aber – bitte! – behaltet es für euch und verratet es nicht weiter …

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Eure WhiteHearts

Mehrgepäck und Skifahren mit Meerblick

Zum Skifahren den Abflug machen ist schon ein ganz besonderes Gefühl. Aber vor dem Einchecken in einen Skiflieger steht man ja immer vor dem lästigen Problem der Gewichtsreduzierung – nicht nur im Hinblick auf die Bikini-Figur, sondern vor allem in Bezug auf’s Gepäck.

Den Flug ins nordnorwegische Tromsö für unseren Lofoten- und Lyngen-Freeride-Trip konnten wir zwar zum Schnäppchen-Preis buchen, allerdings haben wir dem Kleingedruckten nicht besonders viel Beachtung geschenkt. Dort stand was von einer Tasche á 20 Kilogramm und Handgepäck nicht schwerer als 10 Kilogramm. Ski-Equipment konnte online für ’nen Hunderter zusätzlich angemeldet werden. Summa summarum steht uns damit ein Gesamtgepäckgewicht von 50 Kilogramm zu.

Endlich angekommen auf den Lofoten in Nordnorwegen - ab sofort gibt's Traumpanoramen

Ohne Ersatz-Jeans, mit wenig Unterhosen und kaum Duschgel, aber schwerem Technik- und Bergsport-Equipment, gelingt uns die Taschen-Abgabe am Airport Köln-Bonn. Mit viel Glück, viel Gnade und einem wissenden Lächeln der perfekt geschminkten Check-in-Schönheit.

Abflug von Köln-Bonn Richtung Tromsö

Darauf trinken wir beim Zwischenstopp in Oslo um 00.00 Uhr erstmal das teuerste Bier unseres Lebens. 12 Euro für ein 0,5er-Glas des Gerstensafts – so langsam dämmert uns, warum diese Reise in alkoholischer Hinsicht wohl eine ziemlich nüchterne Angelegenheit werden wird.

Der Anschlussflieger zum Zielort Tromsö startet erst um 08.00 am nächsten Morgen, aber bevor wir bei weiteren teuren Runden unsere schmale Reisekasse direkt am norwegischen Flughafen-Bistro verprassen, entschließen wir uns für eine Mütze voll Schlaf.

Schneefall, ein Ort namens A und Svolvaer

Oslos Airport ist um diese Zeit nahezu ausgestorben. Wir bauen aus unseren Taschen eine Wagenburg, rollen die Schlafsäcke auf dem Granitboden aus und träumen von Nordlichtern und Polar-Powder.

 

Gegen 05.00 Uhr morgens werden wir unsanft vom dumpf-hölzernen Geklapper unzähliger hochhackiger Absätze und eleganter italienischer Herrenschuhe geweckt. Der Flughafen erwacht zum Leben. Oslo bricht auf zum Business. „Gähn!“, das ist nicht die Art von Reisen, die uns interessiert. Höchste Zeit, sich aus den Penntüten zu schälen, einen sehr frühen Kaffee hinunterzustürzen und sich zum Gate zu begeben. Auf geht’s Richtung Norden!

Die Trauminseln des Nordens zeigen sich von ihrer sonnigen Seite

Hier wohnt man in Fischerhäusern - Rorbur ...

Wir werden erwartet – im Schneefall der größten Stadt Nordnorwegens, die 344 Kilometer nördlich des Polarkreises liegt. Perfekt wie immer hat Volkswagen dafür gesorgt, dass unser vierter Mitreisender bereits am Airport-Parkplatz parat steht. Ein schwarzglänzender Passat mit 4Motion-Allrad-Antrieb, 2.0-Liter-TDI-Motor und Winterreifen inklusive Spikes. Diese Limousine steht nicht nur Geschäftsreisenden gut zu Gesicht, sondern auch Freeride-Abenteurern wie uns.

... und nebenan parkt ein Schiff der Hurtigruten

Circa fünf Stunden und 500 Kilometer fahren wir durch weiße und faszinierende nordische Landschaften. Nur Berge, Fjorde und Weite. Die Zeit vergeht schneller als vorher im Flug. Schließlich noch eine letzte spektakuläre Brücke und ein tiefer Tunnel, der unter dem Meer verläuft, dann sind wir Insulaner.

Ziel erreicht. Die Lofoten. 80 Inseln auf einer Länge von etwa 150

Nach Sonnenschein folgt Schneefall ...

Kilometern, zwischen dem 67. und 68. Breitengrad, mit unaussprechlichen Namen wie Austvågøy, Skrova, Gimsøy, Vestvågøy, Flakstadøy, Moskenesøy, Værøy und Røst. 24.000 Menschen leben hier. Dass jene die Nachfahren von Wikingern sein müssen, wird uns klar, als wir feststellen, wie rau das Wetter hier oben auf der Höhe Nord-Alaskas ist. Temperaturen um den Gefrierpunkt, düstere Wolken, die über den dunklen Ozean fegen,

Vor der Abfahrt kommt der Aufstieg

Schnee, der bis zum Meer und auf vorgelagerten Mini-Inselchen liegt, Windböen, die Schaumkronen auf die Wellen peitschen, und eine einsame Küstenstraße, von der bis zu 1.200 Meter hohe Felsriesen in den Himmel wachsen.
Den Kontrast dazu bilden vereinzelte, kleine Fischerdörfchen und -häfen. Deren rote Holzhäuser sind auf Stelzen direkt bis ins Meer gebaut.

In eines dieser heimeligen Häuschen, genannt „Rorbur“, weil früher von Fischern bewohnt, schlüpfen auch wir im Örtchen Svolvaer.

Ziemlich windig am Gipfelgrat

Eine kleine Brücke führt vom Hafen auf ein vorgelagertes Eiland – vorbei am stilechten Svinøya Hotel, dem urigen Restaurant Børsen Spiseri und vielen original erhalten Lofoten-Häusern. Schließlich stehen wir vor der Holztür mit der Nummer 44. Warm, wohlig und mit bestem Hafenblick empfängt uns unser eigenes Rorbur. Besser und schöner kann man auf den Lofoten nicht wohnen.

Viel besser lässt sich ein intensives Landschaftserlebnis im hohen Norden auch nicht mit dem Skifahren kombinieren. Unseren ersten Aufstieg und eine anschließende Abfahrt mit Meerblick machen wir gleich am nächsten Tag.

Sonne, Schnee und Meer - was will man mehr?

Beim Hochkraxeln scheint die Sonne und taucht die umliegenden Gipfel in faszinierendes Licht. Auf dem Gipfelgrat stürmt es dann mit Windstärke acht und der Schnee fällt quer. Ein Traum. Aber genau das macht die Lofoten aus. Hier muss man mit Allem rechnen. Die Stimmung kann ganz schnell umschlagen – natürlich nicht bei uns, sondern nur beim Wetter.

Bizarre Wolken- und Lichtstimmungen wechseln hier im Minuten-Takt

Also, bleibt uns treu, empfehlt uns weiter, liked uns oder genießt einfach nur unser Norwegen-Skiabenteuer!

Eure WhiteHearts